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Aktuelles im Kreis
Projektbüro reaktiviert Westerholt

Herten. In einer öffentlichen Veranstaltung hat das Projektbüro Westerholt, eine Projektgemeinschaft der Städte Gelsenkirchen und Herten sowie der RAG Montan Immobilien GmbH, interessierte Bürgerinnen und Bürger über den aktuellen Stand sowie das weitere Vorgehen zur nachhaltigen Reaktivierung des Standortes Zeche Westerholt in Gelsenkirchen-Hassel informiert.
Wichtige strukturelle Meilensteine in der bisherigen Entwicklungsarbeit waren die Gründung der Projektgemeinschaft der Städte Gelsenkirchen und Herten sowie der RAG Montan Immobilien noch vor Schließung des Bergwerks Lippe am 1.1.2009 sowie die Einrichtung des ersten städteübergreifenden Projektbüros der Metropole Ruhr Ende 2009. Seit 1.1.2010 steuert nun das sechsköpfige Projektteam direkt vom Standort an der Egonstraße aus die Entwicklung des rund 30 Hektar großen ehemaligen Bergbaustandorts Westerholt 1/2 (Bergwerk Lippe).

Nach der letzten Seilfahrt Ende 2008 fand zunächst der Rückzug des Bergbaus unter und über Tage statt. Die drei Schächte wurden standsicher verfüllt, Material gesichert und Gleise zurückgebaut.
Parallel wurde das  Abschlussbetriebsplanverfahren (ABP) eingeleitet, welches durch die RAG Montan Immobilien betreut wird. Dabei handelt es sich um ein gesetzlich festgeschriebenes komplexes Verfahren, dessen Ziel es ist, die ehemalige Betriebsfläche für eine Folgenutzung vorzubereiten. Als erster Schritt im ABP-Verfahren erfolgt eine umfassende historische Recherche, denn annähernd 100 Jahre industrielle Nutzung haben Spuren auf einer Fläche hinterlassen und erfordern eine genaue Bestandsaufnahme und Analyse von Boden und Gebäudesubstanz.

Förderung Stadtumbau - EU-Logo
Dieses Projekt wird aus EU-Mitteln gefördert.



In den vergangenen sechs Monaten hat RAG Montan Immobilien daher im Rahmen der historischen Recherche eine Chronik der Schachtanlage erstellt, Luftbilder aus verschiedenen Zeitepochen ausgewertet, um z.B. Kriegsschäden zu erheben, durch eine ausführliche Bauaktenrecherche eine Fundamentbewertung durchgeführt sowie neben den Baukörpern auch historische Aufschüttungen und Abgrabungen erfasst.

Die Ergebnisse der historischen Recherche sind u.a. Basis für eine gezielte Altlastenerkundung des Bodens und der aufstehenden Gebäude.
Als weitere Arbeitsschritte im ABP-Verfahren erfolgt nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse die Erstellung des Sanierungsplans, der mit den zuständigen Behörden abzustimmen und anschließend mit qualifizierten
Fachfirmen baulich umzusetzen ist. Ende 2014 wird das Verfahren voraussichtlich abgeschlossen und die Fläche aus der Bergaufsicht entlassen werden.

Unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der historischen Recherche und der noch ausstehenden detaillierten Untersuchungen wird die Projektgemeinschaft nun parallel ein nachhaltiges Folgenutzungskonzept entwickeln. Folgende Ziele stehen dabei im Vordergrund: Es gilt eine möglichst große Anzahl an neuen Arbeitsplätzen zu schaffen und die Nutzbarkeit des Standortes für Qualifizierungs- und Ausbildungseinrichtungen vorzubereiten. Die Potentiale des Standortes sollen für eine nachhaltige Nutzung der Stadtteile im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes Hassel, Westerholt und Bertlich (IIHK) genutzt werden.

Mit der Nachfolgenutzung soll eine dem Standort entsprechende ökonomische und städtebauliche Qualität erreicht werden, die sowohl denkmalpflegerische als auch ökologische Ansprüche angemessen beachtet.

Um einen möglichst nahtlosen Übergang zwischen Stilllegung des Standortes und Folgenutzung zu erreichen, wurden schon sehr frühzeitig, d.h. während auf dem Bergwerk noch Kohle gefördert wurde, innovative Planungsmethoden angewendet. Bereits Ende  2007 wurde die so genannte Charette durchgeführt. In diesem fünftägigen Workshop hatten Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung sowie engagierte Vertreter aus der Bürgerschaft gemeinsam über die Zukunft des Geländes beraten.

In dem von der Technischen Universität München entwickelten Verfahren, welches Bestandteil eines Forschungsprojekts vor dem Hintergrund der Reintegration von Altindustriestandorten war, wurden verschiedene Methoden, Ideen und Konzepte erarbeitet. Vier Teams hatten erste theoretische Visionen für die Fläche des zum Bergwerk Lippe zugehörigen Standortes Westerholt entworfen, welcher dabei als zentrales Bindeglied zwischen dem Gelsenkirchener Stadtteil Hassel und den Hertener Stadtteilen Westerholt und Bertlich gesehen wird.

Die im Workshop erarbeiteten Erkenntnisse sollen in die Nachfolgenutzung einfließen, sie müssen mit den bereits gewonnenen und noch zu gewinnenden Erkenntnissen hinsichtlich Altlasten, Untergrundsituation, Qualität der vorhandenen Erschließung, Entwässerung und Bausubstanz abgeglichen werden. Dazu wird die Projektgemeinschaft als nächsten Schritt eine Reihe von Untersuchungen zum Gebäudebestand hinsichtlich möglicher Zwischen- und Folgenutzungen durchführen.

Die Veranstaltung wurde von der Öffentlichkeit sehr gut angenommen und eine lebhafte Diskussion geführt. Um die Anregungen aus der Bürgerschaft besser aufnehmen und kanalisieren zu können, wurde angeregt, für bestimmte Interessengruppen je einen Ansprechpartner zu benennen, der im weiteren Projektverlauf kontinuierlich über wesentliche Schritte informiert und in den Entwurfsprozess integriert werden soll.

Für Nachfragen stehen die Mitarbeiter des Projektbüros Westerholt unter der Telefonnummer 0209 / 60 48 94 03 als Ansprechpartner zur Verfügung.

 

Quelle: Pressestelle der Stadt Herten



 
 
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